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Die Doppelverwendungen der Titelseiten-Grafiken
innerhalb der Perry-Rhodan-Serien und anderen SF-Ausgaben


Vorwort Nachwort

Beispiele (100er Nummernblöcke)


Johnny Bruck - Künstler mit industriellen Fertigungstechniken
(Dieses Vorwort zu unserer Dokumentation stammt von Heinrich Stöllner - Danke)

Auf den folgenden Seiten (siehe obige Nummern-Blöcke) werden Wiederverwendungen von Titelbildern in Neuauflagen, aber auch von einzelnen Motiven in anderen Bildern sowie Bildmotive, die ähnlicher Art in anderen Bildern vorkommen, vorgestellt bzw. zusammengetragen.

Weit mehr als die Hälfte der vorgestellten Titelbilder stammt von Johnny Bruck (1921 - 1995), der mit seiner Arbeit das Bild der Perry-Rhodan-Serie von Beginn an bis zu seinem Tod prägte. Bruck zeichnete nicht nur für die Perry-Rhodan-Hefte Titelbilder und Innenillustrationen, sondern auch für die Perry-Rhodan-Taschenbücher, Perry-Rhodan-Comics, Perry-Rhodan-Silberbände, Terra, Utopia, Leihbücher, Western- und Krimihefte, Jörn-Farrow-Abenteuer und und und. Ein gigantisches Werk von weit über 3000 Titelbildern und einigen tausend Innenillustrationen.

Um termingerecht die gewünschten Titelbilder liefern zu können (er musste pro Woche oft mehrere Bilder liefern, da er zeitgleich für mehrere Reihen zeichnete), entwickelte Bruck eine Methode, die als quasi industrielle Fertigung von Gebrauchskunst unter Verwendung standardisierter Komponenten bezeichnet werden kann. Er baute jedes Bild aus diesen Komponenten auf.

Ein mögliches Beispiel:
Komponente 1: Protagonist - Terraner
Komponente 2: Antagonist - Roboter
Komponente 3: Gadget - startendes Raumschiff
Komponente 4: Vordergrund - Felsboden auf Mond
Komponente 5: Hintergrund - Sternenhimmel mit Ringplaneten

Die Komponenten verwendete Bruck immer wieder, sowohl in inhaltlich ganz identischer als auch in abgewandelter Version, wobei Motive vergrößert, gespiegelt, mit anderer Farbe oder mit Zusätzen versehen wurden. Dabei wurden die Komponenten fast beliebig kombiniert, so dass damit eine riesige Zahl von unterschiedlichen Bildern möglich wurde.

Die Vorbilder für die Komponenten entnahm Bruck aus verschiedensten Quellen. Dabei wurde sowohl die Natur als auch Input von (sehr oft) amerikanischen Gesellschafts-, Kriegs-, Kriminal-, Science Fiction- und Fantasy-Magazinen herangezogen. In etlichen Fällen muss man klar sagen, dass effektiv Plagiate erzeugt wurden.

Man beachte z.B. die Grafiken 10 und 12 im Beispiel 81, wo für den Conan-Band anscheinend die brucksche Kopie des Originalcovers für den Verlag preisgünstiger war als das amerikanische Originalbild, sonst hätte man für die Szene, in der Conan gegen den Riesenwurm kämpft, gleich das Original lizenzieren können.

Solche Ausrutscher werfen zwar einen Schatten auf Bruck, können seinen Ruhm trotzdem nicht zerstören, denn er verstand es, wie kaum einer seiner Kollegen, diese Fülle von Bildern mit hoher zeichnerischer Qualität und einer Vielfalt des Ausdrucks und der Farben zu erzeugen. Dabei war er sowohl bei Portraits, Tieren und Pflanzen, technischen Geräten, Naturerscheinungen als auch reinen SF-Fantasieprodukten von gleichermaßen hoher Kompetenz.

Im Beispiel 568 sieht man deutlich, wie Bruck das Vorbild aus dem amerikanischen Man's Magazine - der Soldat, der die Pistole hebt - mit gleichem Gesichtsausdruck kopiert, mit anderer Bekleidung versieht, in verschiedenen Größen sowie seitenverkehrt mit verschiedenen Hintergründen kombiniert, so dass spannende, ganz unterschiedliche Titelbilder erzeugt werden.

Bruck verwendete auch eigene Bilder mehrfach, wobei er die Bilder gelegentlich überarbeitete. Im Beispiel 211 sieht man, wie das Titelbild von Terra 306 in das von PR 629 verwandelt wurde. Der Kopf des Forschers wurde in den eines Außerirdischen verändert und sonst einige Ergänzungen angebracht. Das gesamte Motiv wurde sehr ähnlich für den Atlan-Band 59 verwendet, aber neu gezeichnet.

Besonders viele Titelbilder aus der Reihe Terra Extra wurden wiederverwendet. Diese Reihe zeichnete sich dadurch aus, dass der Hintergrund meistens weiss blieb. Für die Wiederverwendung in PR, Atlan o. ä. ergänzte Bruck die Zeichnung mit einem passenden Hintergrund. Im Beispiel 353 wurde das Titelbild von TE 9 mit ergänzten Hintergrund für das Perry Comic 76 verwendet, den Mann, der sich an den Kopf greift findet man fast unverändert in 2 weiteren Bildern und ähnlich in 2 anderen Bildern.

Bruck bediente sich auch erfolgreich der Collagetechnik, wobei er beispielsweise Naturbilder aus Kalendern entnahm. Man beachte hierzu das Beispiel 67 mit den Felsbögen.

Auch Prominente wurden sowohl nachgezeichnet, als auch in Collagetechnik verwendet. Das Vorbild für Perry Rhodan selbst ist unzweifelhaft Charles Lindbergh (siehe Beispiel 231). Für Bully ist Ernest Borgnine schwer unter Verdacht (Beispiel 193). John Lennon, John Wayne, Richard Burton, Peter O'Toole, Kirk Douglas, aber auch der österreichische Schauspieler Josef Meinard sind verewigt. Auch viele Perry-Rhodan-Autoren sind auf Titelbildern zu entdecken. In den meisten Fällen wurde ihr Konterfei aber erst dargestellt, nachdem sie leider das Zeitliche gesegnet hatten.

Bei Neuauflagen von Perry-Rhodan-Heften muss in etlichen Fällen aus den ersten 150 Heften wohl das Originalbild verloren gegangen sein, denn das Titelbild wurde nachgezeichnet. Kurios ist der Fall von PR 19 (Beispiel 231). Das berühmte Perry-Rhodan-Konterfei (Vorlage wohl Charles Lindbergh) wurde in der 3. und 4. Auflage durch eine Nachzeichnung ersetzt (die nicht ganz so schön wie das Original ist), in der 5. Auflage taucht aber wieder das Original auf, wird allerdings gespiegelt dargestellt.

Besonders interessant ist das Titelbild von Band 1 (Beispiel 491), das sowohl für die 4. Auflage als für die 5. Auflage neu gezeichnet wurde. Und für die "unbekannte Ausgabe" wurde das Titelbild der 1. Auflage mit verändertem Himmel verwendet (siehe die separate Dokumentation zu diesem Thema).

Der Gang durch die folgenden Beispiele bietet einen faszinierenden Einblick in die Arbeit eines der ganz großen SF-Illustratoren. Neben Bruck aber sind auch viele Bilder von Kollegen enthalten (bei den deutschsprachigen Publikationen vor allem Karl Stephan, Rudolf Sieber-Lonati, Eddie Jones sowie die Nachfolger von Bruck bei Perry Rhodan Alfred Kelsner, Ralph Voltz, Swen Papenbrock und Dirk Schulz).

Dass Bruck bei weitem nicht der Einzige war, der mal Anleihen bei Kollegen gemacht hat, beweist das Beispiel 397. Was hätte sonst die bruck'sche Hand aus PR 401, die von einem Metalltentakel gefesselt wird, im Titelbild von Terra Astra 611, das von einem anderen Künstler stammt, zu suchen?

Bemerkenswert ist auch das Beispiel 205: Das Titelbild des amerikanischen Ace-Double-Taschenbuchs mit der Rinderherde und dem gelandeten Raumboot in der Felswüste vor gelbrotem Hintergrund (Grafik 7) wurde von Bruck für den PR-Band 178 ziemlich genau kopiert, nur das Raumboot verändert und die Rinder durch Schreckwürmer ausgetauscht. Dieses Titelbild fand einige Jahre später den Weg zurück über den großen Teich, denn es wurde wie viele andere für das Magazin Amazing lizenziert. Auch Eddie Jones, der lange Jahre einen Großteil der Terra Astra-Titelbilder gestaltete, hatte Verwendung für die Vorlage mit den Rindern. Er griff einige Jahre später für einen Terra Astra-Orion-Band auf die Rinder zurück und zeichnete diese samt Hintergrund nach. Er veränderte nur den Vordergrund auf ein Flussbett mit Pflanzen und ergänzte das Bild mit einem Lancet-Beiboot. Für eine Neuauflage dieses Romans zeichnete er das Bild mit veränderten Proportionen neu, präsentierte aber nach wie vor die Rinder mit einem Lancet-Boot.

Und der Verfasser dieses Artikels war als 16-jähriger Schüler im Jahr 1971 vom doppelseitigen Titelbild des Perry-Rhodan-Heftes 500, das dazu auch noch als Poster im Großformat dem Heft beigelegt war, so begeistert, dass er flugs ein ähnliches Bild (auf schwarzem Papier, damit er den Himmel nicht schwarz anmalen musste) erzeugte, in das er als Collage auch noch das Raumschiff Ganymed, das er aus einem Perry-Rhodan-Comic ausgeschnitten hatte, einklebte. Das Raumschiff Orion hatte in diesem Bild auch einen Gastauftritt. Ein Plagiat? Irgendwo muss ich dieses Bild noch auf dem Dachboden haben, muss mal suchen......

Heinrich Stöllner
(November 2014)